Krisenfest dank Regionalität
Viele Gründe, zum Backstein zu greifen, liegen auf der Hand: Backstein bietet Behaglichkeit, ist auf lange Sicht klimafreundlich, pflegeleicht, vielseitig und hat unbestreitbare bauphysikalische Vorteile. Jüngst kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Die Preise vieler Baumaterialien gehen durch die Decke, nicht zuletzt der Corona-Pandemie geschuldet. Die gute Nachricht: Die Backsteinproduktion zeigt sich dabei resistenter als etwa der Holz-, Kunststoff- oder Stahlsektor.
Der gute Nachbar

Ohne Verfallsdatum
Backstein verzichtet selbstbewusst auf den vielleicht schillernden, aber kurzlebigen Moment und auch darauf, lediglich modisches Beiwerk zu sein. In seiner Zeitlosigkeit vermittelt er hohe Verlässlichkeit. Backsteingebäude altern in der Regel würdevoll, sie tolerieren und verkraften Veränderungen um sich herum. Klug geplante Ergänzungen heißen sie willkommen und wachsen so mit der Zeit mit.
Der Unverwüstliche
Backstein ist ein sehr robustes Material. Er ist resistent gegen Klima- und Witterungseinflüsse, schützt im Gegenteil das Innenleben der Häuser zuverlässig vor ihnen. Einmal gebrannt und professionell verbaut, sind Ziegel wartungsarm; Pflege- und Instandsetzungsmaßnahmen halten sich im Vergleich mit anderen Materialien im Rahmen. Der Lebenszyklus von Gebäuden spielt vor dem Hintergrund des nachhaltigen Bauens eine erhebliche Rolle; hier kann Backstein besonders punkten.
Die funktionale Hülle

Der Unkomplizierte
Den verschärften Bauordnungen geschuldet, wird der Low-Tech-Ansatz im Baugeschehen populärer: Backstein garantiert einen zuverlässigen, dabei unkomplizierten Brandschutz. Das Material besteht zu 100 Prozent aus gebranntem Ton und trotzt daher standhafter als andere Baustoffe eventuellen Brandlasten. Der Stein trägt diese Qualität schon in sich, erfüllt die Brandschutzanforderungen also auch ohne teure und technisch aufwendige Nachrüstungen.
Der Krisenfeste
Und schließlich ein Vorteil, der aktuell an Brisanz gewinnt: Backstein zeigt sich weitgehend pandemieresistent. Denn die Auswirkungen der Corona-Pandemie ließen die Preise für (manche) Baumaterialien in einem unvorhersehbaren Tempo klettern. Die Wirtschaftsteile großer Zeitungen schlagen Alarm, die Fachblätter und Vertreter der Branche bestätigen: Seit Herbst 2020 haben sich die Preise für Bauholz, Stahl, Kunststoffe und Dämmmaterial nahezu verdoppelt. Hintergrund: Mit Beginn der Pandemie reagierte die Bau(stoff)produktion auf die weltweite Lähmung, indem sie herunterfuhr. Dann sprang die Konjunktur etwa in China und den USA unerwartet rasch wieder an, in Europa ist der Wunsch nach dem Eigenheim eher gewachsen – die Folge ist eine sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Baumaterialien. In nur sechs Monaten erreicht Holz Spitzenpreise von 600 Euro pro Kubikmeter, die für Schrott, ein wichtiger Rohstoff für die Stahlproduktion, verdoppelten sich beinahe auf 500 Dollar pro Tonne. Bei Folien,
Kanalrohren und Kabelisolierungen sowie Dämmplatten herrscht ebenfalls ein Engpass, wenn nicht gar Lieferstopp. Fatal für die Baubranche, denn ohne (bezahlbares) Material kein Betrieb auf den Baustellen. Fatal auch für Firmen, die diese Durststrecke nicht überstehen.
Regional und unabhängig
Auf den Backstein bezogen, sucht man solche Töne beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes bislang vergeblich. Für mineralische Baustoffe „lassen sich nur moderate Steigerungen konstatieren“, vermeldet der Verband im Mai 2021. Für den Ziegel gilt, was dort für Gips und Kies zu lesen ist: Regionale Tongruben koppeln die Produktion vom verzweigten Welthandel ab, kurze Transportwege erleichtern den Kreislauf zwischen Bedarf und Lieferung zusätzlich. Ein weiteres Argument also, zum Backstein zu greifen…
Initiative Zweischalige Wand – Bauen mit Backstein
Foto: Brigida González, Mark Seelen Photography
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