
Auch Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, bewertete die Bedrohungslage für Unternehmen als kritisch. Der wirtschaftliche Schaden durch IT-Kriminalität sei in den letzten Jahren rasant gestiegen. So wird er für Nordrhein-Westfalen aktuell auf rund 47 Milliarden Euro im Jahr geschätzt. Gleichwohl sieht Dr. Jaeckel Chancen: „Mittlerweile steht ein breiter Instrumentenkasten zur Verfügung, mit dem Unternehmen ihr Schutzniveau spürbar anheben können. Gerade kleine und mittlere Betriebe profitieren von einem vielfältigen Unterstützungsangebot. Ziel muss es sein, präventiv zu handeln und es den Eindringlingen so schwer wie möglich zu machen. Denn: Sichere Daten sind die Grundlage für eine gute Unternehmensentwicklung“, so Jaeckel.
Im Hauptvortrag präsentierte Kriminalhauptkommissar Peter Vahrenhorst einen Ausblick auf die aktuelle Bedrohungslage aus Sicht des Landeskriminalamts (LKA). Noch immer sei die E-Mail das Haupteinfallstor bei Cyberangriffen. Hinzu komme: Mit der Zunahme des Arbeitens von Zuhause aus steige das Risiko, die Abwehr des Unternehmensnetzwerks zu schwächen. Denn die Rechner würden nicht mehr in der besonders gesicherten Umgebung der Betriebe, sondern an tendenziell schwächer geschützten heimischen Arbeitsplätzen eingesetzt. Hierzu hat das LKA Handreichungen erstellt, bspw. zur Trennung von WLAN-Netzwerken, die vor allem kleine Unternehmen ansprechen. Für Vahrenhorst spielen aber vor allem Notfallpläne eine zentrale Rolle. Ähnlich wie beim Brandschutz sollten Unternehmen sich auf den Ernstfall vorbereiten und ihn üben.
Einen Einblick in die Realität eines gehackten Unternehmens bot Heiko Weigelt, Chief Information Officer der Funke Medien Gruppe. Das Unternehmen wurde im Dezember 2019 durch einen Ransomware-Angriff getroffen. Er erläuterte den Weg, den die Angreifer genommen hatten, welche drastischen Folgen die Verschlüsselungen der Systeme mit sich brachten und wie darauf reagiert wurde. Der Schaden durch den Ausfall der Systeme und die Kosten für die dann benötigte Unterstützung waren immens. Er zog daher das Fazit: Wenn ein Unternehmen sich digitalisieren möchte, muss es vorher in IT-Sicherheit investieren. Denn ein breit angelegter Angriff kann die Existenz eines Unternehmens bedrohen – das sollte bei Investitionsentscheidungen klar im Blick behalten werden.
Im Anschluss standen weitere aktuelle Bedrohungsszenarien und die passenden Abwehrstrategien für die nordrhein-westfälische Wirtschaft im Fokus des IT-Sicherheitstags NRW. Der Fachkongress bot vor allem mittelständischen Unternehmen Lösungen an, um die Informationssicherheit und den Datenschutz im eigenen Betrieb zu verbessern.
IHK NRW ist der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. IHK NRW vertritt die Gesamtheit der IHKs in NRW gegenüber der Landesregierung, dem Landtag sowie den für die Kammerarbeit wichtigen Behörden und Organisationen.
IHK NRW – Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen e. V.
Foto: Bella H / pixabay
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