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Prof. Dr. Franz Nuscheler/INEF
„Mit ihm verlieren wir einen engagierten und im besten Sinne des Wortes auch streitbaren Forscher, der sich seit den 1960er Jahren immer wieder in allen zentralen Debatten des von ihm in Deutschland mit etablierten Forschungsfeldes pointiert zu Wort gemeldet hat“, sagt Prof. Tobias Debiel, stellvertretender Direktor des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) und ehemaliger Doktorand von Franz Nuscheler.
Entwicklungspolitik darf kein Nischenthema sein, war Nuscheler überzeugt. Er forschte zu Menschenrechten, Demokratie, Entwicklung, Frieden und internationaler Migration, und er prägte das Konzept der Global Governance entscheidend mit. Dieses begründete Anfang der 2000er Jahre ein neues Denken: Demnach bewältigt ein Netzwerk aus Staaten, internationalen Organisationen und nichtstaatlichen Akteuren globale Probleme nach gemeinsamen Regeln und Ordnungsstrukturen.
Mit Standardwerken wie dem „Handbuch der Dritten Welt“ und dem „Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik“ setzte Nuscheler außerdem Maßstäbe. Seine Schriften verbanden wissenschaftliche Tiefe mit politischer Relevanz – stets mit dem Ziel, Entwicklung, Frieden und globale Kooperation zusammenzudenken.
Nach einem Studium der Politikwissenschaft, der Geschichte und des Öffentlichen Rechts in Heidelberg promovierte Franz Nuscheler 1967 und war anschließend an der Universität Hamburg tätig. 1974 wurde er zum Professor für Vergleichende und Internationale Politik an der damaligen Gerhard-Mercator-Universität Duisburg berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 2003 wirkte. In der dortigen Fakultät für Gesellschaftswissenschaften gründete er 1990 das INEF, das seither die Arbeit der gleichnamigen, von Willy Brandt initiierten Stiftung „Entwicklung und Frieden“ wissenschaftlich unterstützt. Als Direktor stand Franz Nuscheler dem INEF bis Mai 2006 vor.
Nuscheler engagierte sich in zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten, unter anderem in der Enquête-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ des Bundestages und dem Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) der Bundesregierung. 2001 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
Sein Institut und die gesamte Universität werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Zum Nachruf des INEF geht es hier.
Universität Duisburg-Essen (UDE)
Die Universität Duisburg-Essen wurde am 1. Januar 2003 durch die Fusion der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und der Universität-Gesamthochschule Essen (beide 1972) gegründet. Sie gehört mit rund 40.000 Studenten aus 130 Nationen zu den – nach Studentenzahlen – zehn größten deutschen Universitäten. Sie verfügt über ein breites, international ausgerichtetes Fächerspektrum. Sie ist ein Zentrum der nanowissenschaftlichen und biomedizinischen Forschung sowie der Lehrerausbildung in NRW und bietet mehr als 240 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Nach dem Times Higher Education (THE) Ranking belegte die Universität Duisburg-Essen unter den Hochschulen 2020 den 194. Platz weltweit.
www.uni-due.de
Universität Duisburg-Essen (UDE)
Foto: Jochen Hippler
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