Zeichnungen und Papierarbeiten Von Petra Grünendahl Erwin Bechtold, Incisión azul, 2004 (Acryl auf Leinwand). MKM Stiftung, Dauerleihgabe Nachlass Erwin Bechtold. Foto: Galerie Gisela Clement, Archiv und Dokumentation, Christina Bechtold. ______________________________________________Mit wenigen Bildmitteln schuf Erwin Bechtold (1925–2022)) ein vielseitiges Schaffen aus Malerei und Zeichnungen. Häufig verwendete er geometrische Grundformen, die von organischen Elementen gebrochen werden. Grau- und Erdtöne dominieren sein Werk. Manche Bilder sind ausschließlich in Schwarz und Weiß gehalten oder zeigen nur wenige Linien. Mit diesen sparsamen Mitteln untersuchte er Grundelemente und Gegensätzlichkeiten der Gestaltung, wie Form und Fläche, Geste und Geometrie oder räumliche Fragestellungen nach dem Außen und Innen. In der Opposition von Ordnung und Zufall fand er die Leitmotive seines künstlerischen Ausdrucks. Durch die Verwendung von Erde und Sand gestaltete der Künstler plastische, raue Oberflächen oder erschuf durch das Verwischen von Grafit scheinbar immaterielle Bildräume.
Installationsansicht Erwin Bechtold, Hommage, 2010-2020 (Acryl auf Holz). MKM Stiftung, Dauerleihgabe Nachlass Erwin Bechtold. Foto: Henning Krause, Köln, 2020. _____________________________________________Seit der vergangenen Woche präsentiert das MKM Museum Küppersmühle in der Dauerausstellung der Sammlung Ströher einen neuen Raum mit Werken von Erwin Bechtold. In dem neu eingerichteten Künstlerraum sind nun über 60 Arbeiten zu sehen (davon 48 Dauerleihgaben): Ein Großteil davon sind Papierarbeiten, die zwischen 1960 und den später 1990er Jahren entstanden: Auf sie wird hier zum ersten Mal ein Ausstellungsschwerpunkt gelegt. Diese Arbeiten belegen die Schlüsselrolle der Zeichnungen und Papierarbeiten für die Erarbeitung von Bechtolds Bildern – und sie bezeugen die konsequente Auseinandersetzung mit seinen grundlegenden Bildthemen. Gleichzeitig zeigen sie die große Fülle seiner Motive und den Einfallsreichtum seiner auf das Wesentliche reduzierten Malerei.
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Der Künstler Erwin Bechtold, In der Fläche oben, 2003 (Acryl auf Leinwand). MKM Stiftung, Dauerleihgabe Nachlass Erwin Bechtold. Foto: Archiv und Dokumentation, Christina Bechtold. __________________________________________________Erwin Bechtold (*1925 in Köln, † 2022 auf Ibiza) absolvierte eine Ausbildung zum Drucker und Setzer. Von den Kölner Werkschulen erhielt er 1950 dann das Meisterdiplom. Von 1950 bis 1951 war Bechtold Schüler an der Malschule von Fernand Léger in Paris. Bereits in den 1950er Jahren war er nach Spanien ausgewandert und gehörte auf der iberischen Halbinsel und darüber hinaus zu den wichtigsten bildenden Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Trotz der Abgeschiedenheit seines Wohnorts auf Ibiza war er aktives Mitglied zahlreicher Künstlergruppen in Spanien und Deutschland. So gilt er als Mitbegründer der auf Ibiza entstandenen Künstlergruppe Grupo Ibiza 59 und er war Mitglied im Deutschen Künstlerbund, an dessen Jahresausstellung Bechtold zwischen 1971 und 1990 dreizehn Mal teilnahm. Ab 1966 arbeitete er als Dozent für das West Surrey College of Art and Design in Farnham und Guildford. Auf der 4. documenta in Kassel stellte Bechtold 1968 aus. Er war 1973 Preisträger des Joan-Miró-Preises und erhielt 1990 die Ehrenprofessur des Landes Baden-Württemberg.
Mit K.O. Götz, Gerhard Hoehme und Bernard Schultze nahm Erwin Bechtold an den ersten Ausstellungen des deutschen Informel teil. Seine Werke sind seit vielen Jahren in der Sammlung Ströher vertreten. In den Jahren 2020 und 2021 waren seine Bilder in Einzelpräsentationen im MKM zu sehen. Nach dem Tod des Künstlers 2022 sind diese Gemälde und Zeichnungen als Dauerleihgaben im Museum verblieben. In diesem Jahr wurden sie durch ein umfangreiches Konvolut an Werken auf Papier aus dem Nachlass ergänzt, der von seiner Witwe Christina Bechtold betreut wird.
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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________________Die Ausstellung „passage“ mit Werken von Susan Hefuna ist noch bis zum 25. Januar 2026 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen. Im Oberlichtsaal des Erweiterungsbaus zeigt das MKM „Zeig was Du hast“ mit Bildern von Jörg Immendorff aus der Sammlung Ströher noch bis zum Frühjahr 2026. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 14 Euro (ermäßigt 7 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 22 Euro für das ganze Haus. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Der Besuch der Aussichtsplattform ist gegen Aufpreis von 4 Euro beim Besuch des gesamten Hauses zubuchbar. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________________Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de).
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Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst mit dem Erweiterungsbau. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________________Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im April 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.
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