Fotos und Erzählungen vom Leben
in den 1960er- & 70er-Jahren Von Petra Grünendahl Wilde Zeiten im Revier im Wartberg-Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________________________„Dass die Kinder mit schmutzigen Händen und Knien nach Hause kamen, war normal”, erzählt Wilhelm Schöttler. Die Zeiten waren einfacher und oft rauer in den Sechzigern oder Siebzigern. Gespielt wurde draußen: Im Garten, auf der Straße oder auf dem Bolzplatz. Ab den Siebzigern zogen dann das Fernsehen und erste Kindersendungen die Kleinen auch nach drinnen. Die meist im Ruhrgebiet regierende SPD drängte auf eine bessere Bildung der Arbeiterkinder mit neuen Realschulen, Gymnasien, Aufbau- und Abendgymnasien und ab 1976 mit Gesamtschulen sowie – als die Zahl der Schulabgänger mit Hochschulreife stieg – mit Hochschulen: Aus dieser Zeit stammen die Ruhr-Universität Bochum (RUB), die Technische Hochschule in Dortmund, einige Fachhochschulen und 1972 die Gesamthochschulen in Duisburg und in Essen, die zugleich Uni und Fachhochschule waren (heute: Universität Duisburg-Essen). Das Buch erzählt vom Leben in den Zechen- oder Arbeitersiedlungen sowie in den ab den 1960ern errichteten Großwohnsiedlungen, die mit großem modernen Zuschnitt vor allem junge Familien anzogen. Freizeitaktivitäten verlagerten sich dann vermehrt in öffentliche Parks (wie den Volkspark Schwelgern, den Gruga- oder den Westfalenpark) und in Schrebergärten, auf Sportanlagen von Freiluftbädern bis Fußballplätzen sowie an verschiedenste Freizeiteinrichtungen.
Wilde Zeiten im Revier im Wartberg-Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________________________Das Buch „Wilde Zeiten im Revier“ ist ein historischer Bildband, der das Ruhrgebiet in den 1960er- & 1970er-Jahren in zeitgenössischen Fotografien und kundigen Texten festhält. Zur besseren Übersicht sind das Buch in acht Kapitel gegliedert: Von Kindheit und Jugend über Babyboom und Bildungsnotstand, Alltagsleben oder Freizeit und Feierabend bis hin zu Arbeit und Arbeitskämpfen, Umwelt und Verkehr sowie dem politischen Protest der Ära haben Fotograf Klaus Rose und Texter Wilhelm Schöttler Fotos und Geschichten einsortiert. Sie entführen den Leser in eine Vergangenheit, in der sich jeder irgendwo wiederfindet, der sie selber erlebt hat. Manche Fotos könnten überall in Deutschland aufgenommen worden sein, andere verraten im Hintergrund das unverkennbare Lokalkolorit – auch welche erkennbar aus Duisburg.
Wilde Zeiten im Revier im Wartberg-Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________________________Fotos und Texte erzählen von den Wirtschaftswunderjahren, vom Zechensterben und dem Strukturwandel mit Arbeitskämpfen und Mahnwachen um den Erhalt von Jobs sowie der Ansiedlungen neuer Industrien auf ehemaligen Bergbauflächen (z. B. Opel in Bochum). Geprägt waren die Zeiten auch von der studentischen Protestbewegung (68er), rebellierender Arbeiterjugend, der aufkommenden Frauenbewegung und von gesellschaftlichen Umbrüchen, aber auch von politischen Protesten der Zivilgesellschaft (insbesondere ab 1968 gegen die Notstandsgesetze und den Radikalenerlass) und dem Entstehen der Friedensbewegung zum Ende des siebten Jahrzehnts.
Texte, Fotos und das Buch Wilde Zeiten im Revier im Wartberg-Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________________________Klaus Rose (Fotos) wurde 1937 in Hannover geboren, lebte aber lange im Ruhrgebiet, wo er nicht nur fotografisch seine Heimat fand. Er ist ein erfahrener Fotograf und Bildjournalist, der viele Jahre in der aktuellen Berichterstattung tätig war. Sein Arbeitsgebiet war seit den 1960er-Jahren vorwiegend das Ruhrgebiet. Seine Stärke ist die authentische, ungestellte Fotografie mitten aus dem Leben der Menschen in seiner Heimat, dem Revier, in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Heute lebt er in Iserlohn.
Wilde Zeiten im Revier im Wartberg-Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________________________Wilhelm Schöttler (Texte) wurde 1935 in Dortmund geboren und war als Handwerksmeister und Sachverständiger tätig. Bereits als 16-Jähriger gewann er einen Kurzgeschichtenwettbewerb und widmet sich seit seinem Eintritt in den Ruhestand wieder der Schriftstellerei. Er veröffentlichte bereits verschiedene Texte, darunter einen Roman (Minne in Tremonia, 2012), der im mittelalterlichen Dortmund angesiedelt ist. www.wartberg-verlag.de/autoren/autor/833-wilhelm-schoettler.html
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Das 72-seitige Buch mit zahlreichen Fotografien im Hardcover-Einband ist im Wartberg Verlag erschienen. Der historische Bildband im Format 24,5 x 22,8 cm ist für 19,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8313-3392-9).
Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
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Der Verlag Wilde Zeiten im Revier im Wartberg-Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________________________Der Wartberg Verlag mit Sitz im nordhessischen Gudensberg war 1984 als Regionalverlag mit historischen Bildbänden zu regionalen und stadtgeschichtlichen Themen gestartet. Doch mit der Reihe „Wir vom Jahrgang …“ ist er längst im ganzen Bundesgebiet präsent und darüber hinaus auch in Frankreich („Nous, les enfants de …“, seit 2010) und Österreich (seit 2011). Zu den regionalhistorischen Reihen zählt seit 1985 „Wie es früher war“, in der Städte und Regionen anhand von historischen Fotos vorgestellt werden. Die Geschenkbuch-Reihe „Wir vom Jahrgang …“ (seit 2005) ergänzt seit 2007 „Wir vom Jahrgang … – Aufgewachsen in der DDR“. Das Verlagsprogramm geht heute über regionale Bücher (Bildbände, Geschichten und Anekdoten oder Freizeit) und Geschenkbücher weit hinaus und umfasst auch zum Bespiel auch Kochen & Kulinarik oder Krimis & Romane. www.wartberg-verlag.de
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