
______________________________________
Die umstrittene Zwölfjahreswertung und politische Manöver
Damals stand für den DFB eine Entscheidung über die sechzehn Vereine, die einen der begehrten Startplätze erhalten sollten, auf dem Programm. Als Grundlage fungierte grundsätzlich die sogenannte Zwölfjahreswertung, die sämtliche sportliche Leistungen von 1951 bis 1963 bewertete und gewichtete. Zudem standen den Teams der damals überaus starken Oberliga West fünf Plätze zur Verfügung. Schwergewichte wie der 1. FC Köln und Borussia Dortmund waren unumstritten, aber um die restlichen Ränge entwickelte sich ein hochspannendes sportpolitisches Drama.
Zu diesem Zeitpunkt lag Alemannia Aachen mit 285 Punkten auf dem vierten Platz, während der Meidericher SV mit 250 Zählern als Sechster rangierte. Trotzdem erhielt die Mannschaft offiziell aus „verbandspolitischen Gründen“ den Vorzug. Genauer gesagt hieß es, dass man dem niederrheinischen Landesverband unbedingt einen Vertreter garantieren wollte. Aber hinter den Kulissen soll der damalige Präsident des 1. FC Köln, Franz Kremer, einen starken Einfluss ausgeübt haben. Denn er wollte mit Alemannia Aachen einen gefährlichen lokalen Konkurrenten aus dem eigenen mittelrheinischen Verband dauerhaft aus der Liga fernhalten.
Eine Gemeinschaft aus Straßenfußballern
Die Qualifikation des damaligen Meidericher SV für die Bundesliga war also alles andere als unumstritten. Doch die Mannschaft stellte ihre Berechtigung für die höchste Spielklasse sofort unter Beweis. Dabei spielte der damals 37-jährige Trainer Rudi Gutendorf, der eine schlagkräftige Einheit formte, eine Schlüsselrolle. Zusätzlich zu dessen Defensivsystem, das rasch als „Meidericher Riegel“ bundesweit Bekanntheit erlangte, zeichneten die folgenden Faktoren das Team aus:
- Mit wenigen Ausnahmen stammten die Akteure aus der Region; zudem kannten sie sich oft aus Kindertagen und agierten als eine verschworene Straßenmannschaft.
- Der Schwerpunkt auf die Defensive bei einem gleichzeitigen blitzschnellen Umschaltspiel überraschte etablierte Favoriten völlig.
- Mit dem Weltmeister von 1954, Helmut Rahn, setzte ein Stürmer trotz seines fortgeschrittenen Alters entscheidende Impulse.
Die Sensation der Vizemeisterschaft 1963/64
Mit einem 4:1-Auswärtssieg gegen den Karlsruher SC gelang ein Auftakt nach Maß. In der Folge avancierte die Mannschaft insbesondere an der heimischen Wedau zu einer Macht und so fegte sie den favorisierten Hamburger SV mit 4:0 vom Platz. Letztlich krönte sich der Meidericher SV zum deutschen Vizemeister, wozu auch diese Offensivspieler beitrugen:
| Spieler | Position | Einsätze | Tore |
| Werner Krämer | Mittelfeld | 22 | 11 |
| Heinz Versteeg | Angriff | 31 | 10 |
Ein langfristiges Erbe und die Namensänderung
Um die tiefe Verbundenheit mit der gesamten Industriestadt deutlich stärker zu betonen, benannte sich der Meidericher SV im Januar 1967 in MSV Duisburg um. Oder besser gesagt: Hierbei handelt es sich um die Kurzform von Meidericher Spielverein 02 e. V. Duisburg. Damit einher ging die Identität der „Zebras“, die diesen Spitznamen ihrem blau-weiß gestreiften Trikot zu verdanken haben. Einer der weiteren Akteure, die diese aufopferungsvolle Mentalität perfekt verkörperten, war in den Jahren 1956 bis 1969 Günter Preuß. Dieser absolvierte 77 seiner insgesamt 227 Auftritte in der Bundesliga und bleibt somit ein Teil der großartigen Geschichte der ersten und bislang einzigen Meidericher Vizemeisterschaft.
cms
Foto : jorono / pixabay
Entdecke mehr von Rundschau Duisburg
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Sie muessen eingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben Einloggen