
Für die ICCS 2022 wurden in 24 überwiegend europäischen Bildungssystemen Achtklässler verschiedener Schulformen, ihre Lehrkräfte und Schulleitungen befragt. „Unsere Auswertungen zu den Themen Europa, Identität, Digitalisierung, Unterricht und Lehrkräftebildung verdeutlichen, dass politische Bildung für unsere Gesellschaft relevanter denn je ist“, betonen die Professoren Abs und Hahn-Laudenberg. Sie sagen auch mit Blick auf die Befragungen in NRW und Schleswig-Holstein (SH): „Die Klassenzimmer werden politischer. Jugendliche nehmen sie als offener für Diskussionen wahr als noch bei der vorherigen Studie 2016.“ Auch die Beziehungen zwischen untereinander und zu den Lehrkräften werden überwiegend positiv eingeschätzt. Was jedoch aufhorchen lässt: Etwa ein Viertel der in Deutschland Befragten berichten von Diskriminierungserfahrungen durch Mitschüler und/oder Lehrkräfte.
Lassen Ukraine-Krieg, das Erstarken der nationalen Rechten und andere Herausforderungen die jungen Menschen an der EU zweifeln? Unter allen Befragten der Studie ist die Zustimmung für ein gemeinsames Europa hoch. Schüler in NRW und SH haben jedoch weniger positive Erwartungen als Gleichaltrige anderer Länder. Nur ein Drittel von ihnen glaubt an einen künftigen Frieden in Europa. In vorherigen Untersuchungen waren sie noch hoffnungsvoller.

Im ersten Teil der Auswertung (veröffentlicht am 28. November 2023) hatten die Autoren u.a. herausgestellt, dass das deutsche Schulsystem die ungleichen Startchancen von Jugendlichen auf politisches Wissen und politische Beteiligung festigt. „Die jetzigen Ergebnisse verstärken den Eindruck, dass Schüler an Gymnasien ein höheres Maß an Lern- und Partizipationsmöglichkeiten zukommt als an anderen Schulformen“, so Abs und Hahn-Laudenberg.
*) Die International Civic and Citizenship Education Study (ICCS) 2022 wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie von der Europäischen Union gefördert.
Weitere Informationen
Die vollständige Studie ist open access verfügbar: https://www.waxmann.com/iccs2022
Deutsche Projektseite: https://www.uni-due.de/iccs
Englische Projektseite: http://www.iea.nl/studies/iea/iccs/2022
Universität Duisburg-Essen (UDE)
Die Universität Duisburg-Essen wurde am 1. Januar 2003 durch die Fusion der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und der Universität-Gesamthochschule Essen (beide 1972) gegründet. Sie gehört mit rund 40.000 Studenten aus 130 Nationen zu den – nach Studentenzahlen – zehn größten deutschen Universitäten. Sie verfügt über ein breites, international ausgerichtetes Fächerspektrum. Sie ist ein Zentrum der nanowissenschaftlichen und biomedizinischen Forschung sowie der Lehrerausbildung in NRW und bietet mehr als 240 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Nach dem Times Higher Education (THE) Ranking belegt die Universität Duisburg-Essen unter den Hochschulen 2020 den 194. Platz weltweit.
www.uni-due.de
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Fotos: Christian Lue / unsplash (1), TheAndrasBarta / pixabay (1)
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