Kunst wirkt im Auge des Betrachters Von Petra Grünendahl Gerhard Hoehme im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________Die Bilder wirken nicht unbedingt oberflächlich, aus der Ferne. Der Betrachter muss sich Zeit nehmen und auf die vielfältigen Details in den mitunter sehr aufwändigen Malereien einlassen. „Ich möchte ein Stück Unbegreifliches sichtbar machen, es aber im Unbegreiflichen lassen“, hatte der Künstler Gerhard Hoehme (1920-1989) 1976 in seinem Text „Reflektionen“ geschrieben. Schon seit frühen Schaffensjahren setzte er sich mit der Materialität der Farbe auseinander und prägte die internationale Wahrnehmung des deutschen Informel. Gerhard Hoehme im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________In den späten 1950er-Jahren erforschte er die Möglichkeiten gestischer Malerei und verabschiedete sich bewusst von herkömmlichen Regeln des Bildaufbaus. „Seine Bilder sind ohne Perspektive und spiegeln den Blickwinkel des Fliegers, der er im Zweiten Weltkrieg war“, erklärte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. „Hoehme fordert den Betrachter zum individuellen Dialog mit jedem seiner Werke“, so Museumskurator Kay Heymer. Und: „Er nutzte seinen Erfindungsreichtum, um Werke zu schaffen, deren große Ausdruckskraft er stets offen und in der Schwebe hielt.“ Hoehmes Werke zeichneten sich dadurch aus, dass er zunehmend Abstand nahm vom rechteckigen Bild, erzählte Sammlungs-Kuratorin Eva Müller-Remmert: „Und mit Materialien wie Schläuchen und Schnüren reicht er zum Betrachter in den Raum und zieht ihn ins Kunstwerk hinein.“ Diese Offenheit wirke immer anders und lasse den Besucher seine Arbeiten stets neu erfahren, so Heymer.
Waltger Smerling im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst im Duisburger Innenhafen präsentiert mit rund 80 Arbeiten eine der umfangreichsten Ausstellungen zu Gerhard Hoehme seit vielen Jahren. Walter Smerling stellte die Werkschau vor: Zusammen mit Kay Heymer, der auch Vorstandmitglied der Gerhard und Margarethe Hoehme-Stiftung ist, und Eva Müller-Remmert, Kuratorin der Sammlung Ströher. Hoehme gilt als einer der prägenden Künstler der deutschen Nachkriegskunst: Bereits seit den frühen 1950er-Jahren nimmt eine zentrale Rolle in der Entwicklung der abstrakten Malerei ein. Eva Müller-Remmert und Kay Heymer im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________Seine Werke bilden bis heute eine Schlüsselrolle in der Sammlung Ströher. Der im vergangenen Jahr verstorbene Ulrich Ströher habe vor zwei Jahren die Anregung zu dieser Ausstellung gegeben, so Smerling, durfte sie aber nun nicht mehr selber erleben. Die umfangreiche Einzelausstellung widmet sich dem komplexen Gesamtwerk des Künstlers und bietet einen umfassenden Überblick über sein Schaffen. Zentrale Werke aus der Sammlung Ströher machen den Großteil der Ausstellung aus. Sie werden ergänzt durch bedeutende Werkgruppen aus der Gerhard und Margarethe Hoehme-Stiftung. Zuletzt hatte das MKM 2009/2010 eine große Werkschau des Künstlers präsentiert. Die neue Ausstellung wird morgen Abend mit geladenen Gästen eröffnet.
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Der Künstler und der Katalog Gerhard Hoehme im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________Gerhard Hoehme wurde 1920 in Greppin bei Dessau geboren und starb 1989 in Neuss. Der Maler und Grafiker gilt als bedeutender Vertreter der Abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg und des deutschen Informel. Nach einer Banklehre (1936-38) machte er eine Ausbildung zum Flugzeugführer (1939-45). Im Zuge seiner Einsätze wurde er zweimal verwundet. In der Rekonvaleszenzzeit belegte Gerhard Hoehme Kurse in Malerei und Graphik. Gerhard Hoehme im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________Im Jahr 1948 begann er ein kurzes Studium in Halle an der Saale und heiratete Margarete Schulze. 1951 übersiedelte das Ehepaar mit Hilfe seines Mentors und späteren Galeristen Jean-Pierre Wilhelm nach Düsseldorf, wo er von 1951 bis 1953 an der Kunstakademie studierte. 1960 erhielt er ein Stipendium an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom sowie dann seine Berufung an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf als Lehrer der Vor- und Grundkurs-Klassen. Im Jahr 1965 wurde er zum Professor für Freie Malerei ernannt. Ab 1963 unterhielten Margarete und Gerhard Hoehme einen zweiten Wohnsitz in Nemi bei Rom. Ab 1974 lebte Hoehme mit seiner Familie in einem Wohn- und Atelierhaus in Neuss-Selikum. 1984 wurde Hoehme in die Akademie der Künste in Berlin gewählt. Im selben Jahr beendete er seine Düsseldorfer Lehrtätigkeit und erhielt die Paul-Klee-Professur für Bildende Kunst an der Universität Gießen. 1989 starb er im Alter von 69 Jahren in Selikum. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und prägte er eine Generation bedeutender Künstler, darunter Chris Reinecke und Sigmar Polke. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Essays zur Kunst, die 2010 in Buchform unter dem Titel „Relationen. Texte 1952–1987“ veröffentlicht wurden. Im Jahr 1998 gründete die Witwe des Künstlers die Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung (GMHS). Die Geschäftsführung obliegt dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf, wo Kay Heymer vor dem MKM tätig war und die Archivalien wissenschaftlich aufgearbeitet hatte. de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Hoehme www.kunstpalast.de/de/programm/sammlung/hoehme-stiftung/
Im Wienand Verlag Köln ist der reich bebilderte Katalog zur Ausstellung mit zahlreichen Werk- und Installationsansichten erschienen. Das 174-seitige Werk mit Beiträgen von Kay Heymer, Marliesa Komanns, Claudia Posca, Margarethe Hoehme Susanne Rennert und Walter Smerling ist zum Preis von 30 Euro an der Museumskasse oder im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-86832-846-2).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. ___________________________________________Die Ausstellung „Gerhard Hoehme: enträtsel nicht die Orte“ ist noch bis zum 31. Mai 2026 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen. Im Oberlichtsaal des Erweiterungsbaus zeigt das MKM „Zeig was Du hast“ mit Bildern von Jörg Immendorff aus der Sammlung Ströher bis zum 12. April 2026. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 14 Euro (ermäßigt 7 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 22 Euro für das ganze Haus. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Der Besuch der Aussichtsplattform ist gegen Aufpreis von 4 Euro beim Besuch des gesamten Hauses zubuchbar. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. Zu den Highlights zählen hier die Verranstaltung „Klang und Performance im Dialog mit Bild und Raum“ mit den Duisburger Philharmonikern am 11. März (18:30 Uhr) und das Konzert „Les Essences“ mit Önder Baloglu am 25. März (18:30 Uhr). Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de).
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Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________________Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im April 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Mit dem Tod von Ulrich Ströher im November 2025 ist die Kunstsammlung im Besitz von Sylvia Ströher und ihrer Tochter Ina.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.
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