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Unfallforschung: Aggression im Straßenverkehr – Langzeitstudie zum Verkehrsklima 2026

 
Aggression steigt – Schuld sind immer die anderen
Von Petra Grünendahl

Seit 2023 besonders gesteiegene Aggressionswerte (Auswahl). Infografik: Unfallforschung der Versicherer.
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„Männer fahren aggressiver, aber Frauen holen auf“, erklärte Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im GDV. „Jeder zweite Autofahrer muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert“, so Zeidler weiter (55 Prozent, 2023: 50 Prozent; 2016: 29 Prozent). Wie gut ein Autofahrer motorisiert ist, habe eher weniger Einfluss auf sein Verhalten im Straßenverkehr: „Ein Kleinwagenfahrer kann ein aggressiver Autofahrer sein, der Fahrer eines gut motorisierten Autos ein gelassener Fahrer. Das hängt eher vom Menschentyp ab“, sagte Zeidler. Zumal das Thema Verkehrsklima ja nicht beim Pkw aufhört: Auch Fußgänger und Radfahrer waren Teil der Studie – und auch sie sind nicht immer frei von Aggression. Und im Vergleich zu früheren Studien steigt die Aggression sowohl in der Selbsteinschätzung als auch in der Fremdbeobachtung, wobei die Befragten mehr aggressives Verhalten bei anderen feststellen als bei sich selber. „Verkehrsteilnehmer müssen zu wenig mit Konsequenzen rechnen, weil nicht genug kontrolliert wird“, sagte die UDV-Leiterin. Mit steigendem Anteil fühlt sich eine Mehrheit der Verkehrsteilnehmer allerdings sicher bis sehr sicher im Straßenverkehr, wobei sich zumindest eine Mehrheit von E-Scooter-, Moped- oder Mofa-Fahrern sowie ÖPNV-Nutzern mittel bis gar nicht sicher fühlt.

 

Aggressives Verhalten von Fahrrad- / Pedelex-Fahrern. Infografik: Unfallforschung der Versicherer.
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Das Klima auf deutschen Straßen wird immer rauer und aggressiver. Dies zeigt eine seit mehreren Jahren wiederkehrende Studie der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Versicherer (UDV) zu Verkehrsklima und Sicherheit im Straßenverkehr. Zu aggressivem Verhalten im Straßenverkehr zählen die Unfallforscher insbesondere „Sanktionen“ für das nervige oder regelwidrige Verhalten von anderen und das „sich Vorteile verschaffen wollen“, um schneller unterwegs zu sein. Drängeln auf dem Radweg oder das Überfahren von Zebrastreifen zählt ebenfalls dazu. Und beim Erzwingen von Vorfahrt ist es aggressiven Verkehrsteilnehmern sogar egal, ob sie mit dem Auto, Fahrrad oder Pedelec unterwegs sind. Regelverstöße werden eher in Betracht gezogen, wenn der Verkehrsteilnehmer die Wahrscheinlichkeit geringer einschätzt, erwischt zu werden. Zumal knapp 60 Prozent der Befragten angaben, noch nie (21 Prozent) oder vor länger als fünf Jahren (39 Prozent) von der Polizei kontrolliert worden zu sein.

 

 
 
Fehler machen vor allem andere

Wie sicher fühlen sich Verkehrsteilnehmer. Infografik: Unfallforschung der Versicherer.
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„Es ist verantwortungslos, aus Wut oder um schneller ans Ziel zu kommen die Gesundheit oder das Leben anderer aufs Spiel zu setzen“, sagte Kristin Zeidler. „Dabei sehen die meisten die Probleme bei anderen, nicht bei sich selbst.“ Wie auch schon in den Vorgängerstudien klaffen Selbst- und Fremdbild weit auseinander. So antworten 92 Prozent aller Autofahrer, dass sie Radfahrer besonders rücksichtsvoll überholen. Gleichzeitig beobachten 86 Prozent, dass andere zu eng überholen. Das Selbstbild Radfahrer ist ebenso geschönt: 48 Prozent geben zu, Autos auch mal links zu überholen oder sich durch den Verkehr zu schlängeln, wenn sie rechts nicht vorbeikommen. 83 Prozent beobachten dieses Verhalten bei anderen Radfahrenden. „Das Leben wird immer hektischer, wir sind quasi permanent erreichbar, der Druck nimmt zu“, so Zeidler. „Das geht auch am Straßenverkehr nicht vorbei, die Zündschnur wird kürzer.“

 
Maßnahmen für mehr Sicherheit und Methodik der Befragung
Polizeikontrollen erwarten die Befragten inzwischen etwas häufiger, erleben sie de facto aber selten. Auch das Strafmaß empfinden viele als mild. Kontrollen und Sanktionen sollten daher verschärft werden. Frauen befürworten schärfere gesetzliche Maßnahmen stärker als Männer. Beide Geschlechter sprechen sich vor allem für die Null-Promille-Grenze im Kraftfahrzeug (74 Prozent) und für eine neue, zusätzliche 1,1 Promillegrenze für Radfahrer (rund 72 Prozent) aus. So stark wie nie zuvor plädieren die Befragten zudem für Tempo 130 auf Autobahnen (rund 60 Prozent), Tempo 80 auf Landstraßen (rund 53 Prozent) und Tempo 30 in Städten (rund 43 Prozent).

 
Verkehrsplaner und Verkehrspsychologen seien, so die Unfallforscher, gefordert, Konzepte gegen aggressives Verhalten im immer dichter werdenden Verkehr zu entwickeln. Kampagnen sollten auf ein rücksichtsvolleres Miteinander abzielen.

 
Die Verkehrsklima-Studie von 2026 ist bereits die fünfte dieser Art: Nach 2010, 2016, 2019 und 2023. Befragt wurden 2004 Verkehrsteilnehmer ab 18 Jahren, die mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Die Auswahl der Befragten ist repräsentativ für Altersgruppen, Geschlecht, Bildungsgrad, Verteilung der Bundesländer nach Ost-West. Pkw-Führerscheinbesitz, Pkw-Nutzung und -Verfügbarkeit sowie Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung. Verstärkt flossen in diesem Jahr Pedelec, E-Scooter/E-Roller und Lastenrad mit ein, weil sie immer häufiger im Straßenverkehr anzutreffen sind.

 

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Unfallforschung der Versicherer
Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist ein wichtiger Know-how-Träger und einer der größten Auftraggeber für universitäre und außeruniversitäre Forschung zur Verkehrssicherheit in Deutschland. Sie pflegt den nationalen und internationalen Austausch mit Politik, Behörden und Forschungsinstituten. Die UDV ist als Forschungsinstitution ausschließlich der Verkehrssicherheit verpflichtet. An der Auswahl der Forschungsprojekte und der Auftragnehmer wirken unter anderem der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) und die Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) mit.

 
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit Sitz in Berlin ist die Dachorganisation der privaten Versicherer in Deutschland. Die rund 470 Mitgliedsunternehmen sorgen durch 490 Millionen Versicherungsverträge für umfassenden Risikoschutz und Vorsorge sowohl für die privaten Haushalte wie für Industrie, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen. Als Risikoträger und bedeutender Kapitalgeber mit Kapitalanlagen in Höhe von 1,9 Billionen Euro haben die privaten Versicherungsunternehmen auch eine herausragende Bedeutung für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung in der deutschen Volkswirtschaft. 470.000 Menschen sind für die Versicherungswirtschaft in Deutschland tätig.

 
© 2026 Petra Grünendahl / Rundschau Duisburg (Text)
Infografiken: Unfallforschung der Versicherer

 

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