Anzeige

cubus kunsthalle zeigt Ausstellung “Besetzte Leben“ mit Fotografien von Heiner Schmitz

 
16 Beduinen-Familien im Jordantal: Geschichten einer 57-jährigen Besatzung
Von Petra Grünendahl

Suleimans Familie im Foto links, daneben Heiner Schmitz und Ribhi Yousef. Foto: Petra Grünendahl.
____________________________________
Suleiman (30) erzählt, das er schon als kleiner Junge Ziegen gehütet habe. Dann verwickelte ihn ein bewaffneter israelischer Siedler in ein Wortgefecht verwickelte und schoss ihm ins Bein. Bis er endlich medizinische Hilfe bekam in einem Land, im dem die Bewegungsfreiheit der Palästinenser sehr eingeschränkt ist, war sein Bein nicht mehr zu retten: Es wurde amputiert. „Wir haben eine Spendenaktion gestartet, um seine Prothese zu finanzieren“, erzählte Heiner Schmitz über eine der 16 Familien, die er auf einer Studienreise 2017 fotografiert hatte. „Ich hatte ihm Kontakt zu Rashid Khudairy vermittelt, der über seine Arbeit für die Nichtregierungsorganisation Jordan Valley Solidarity gut vernetzt ist“, erklärte Dr. Ribhi Yousef, Vizepräsident der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e. V. Dieser habe dem Fotografen Kontakte zu Beduinen-Familien vermittelt und deren Geschichten aufgezeichnet. Er selber habe diese Texte dann ins Deutsche übersetzt, um Besuchern der Ausstellung die Hintergründe der Fotografien näher zu bringen.

 

cubus kunsthalle zeigt Heiner Schmitz: Besetzte Leben. Foto:
Petra Grünendahl.
____________________________________
Nach den Ausstellungen „#2States, NOW“, sowie „Lebendige Erinnerungen“ der Holocaust-Überlebenden Sara Atzmon setzt die cubus kunsthalle im Kant-Park ihre künstlerische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt fort. Die Ausstellung „Besetzte Leben“ von Heiner Schmitz richtet den Blick auf Menschen, deren Alltag seit Jahrzehnten von Besatzung, Entrechtung und Gewalt geprägt ist. Zusammen mit Heiner Schmitz und Ribhi Yousef stellte Museumsleiterin Claudia Schäfer die Ausstellung vor. Zur Ausstellung gibt es Broschüren in deutscher und in englischer Sprache sowie Beiblätter zu den einzelnen Fotografien, die die Geschichten der abgebildeten Familien erzählen. Die Ausstellung wird am Sonntag, 31. Mai, um 15 Uhr eröffnet: Nach einleitenden Worte von Dr. Ribhi Yousef nimmt Heiner Schmitz zu seiner Arbeit selbst Stellung. Während der Ausstellungszeit bietet Heiner Schmitz am Sonntag, 21. Juni, und am Sonntag, 28. Juni, jeweils um 15.00 Uhr Gesprächsnachmittage an. Die Ausstellung dauert bis zum 28. Juni. Die sehr beeindruckende Ausstellung „Trotz alldem: Tiere im Anthropozän“ im Erdgeschoss mit Skulpturen von Irmela Maier und Bildern von Ralf Koenemann wurde bis zum 5. Juli verlängert (Bericht folgt).

 

 
 

cubus kunsthalle zeigt Heiner Schmitz: Besetzte Leben. Foto:
Petra Grünendahl.
____________________________________
Insgesamt 17 Mal ist Heiner Schmitz mittlerweile durch den historischen Landstrich Palästina gereist (heute Israel und die palästinensischen Regionen Westjordanland und Gazastreifen): „Das erste Mal 1997 war ich noch Israel-Fan, weil mir imponiert hatte, wie die Israelis in der Wüste ein prosperierendes Land geschaffen hatten.“ Heute ist er deutlich kritischer, hat er doch auf seinen intensiven Reisen vor allem gesehen, auf wessen Kosten Israel prosperierte: Nämlich auf Kosten der Palästinenser, die von ihrem historischen Land vertrieben wurden und die auch heute in ihrem sehr eingeschränkten Siedlungsgebieten jenseits des Staates Israel angesichts gewaltbereiter israelischer Siedler nicht sicher sind.

Anzeige

 
Früher waren die Beduinen in Zelten mit ihren Viehherden als Nomaden durch die Negev-Wüste gezogen, bis sie durch die Gründung des Staates Israel von dort vertrieben wurden und sich im Westjordanland (Westbank) ansiedelten. Auch dort wurde ihr Lebensraum mehr und mehr beschnitten, so dass viele ihr Nomadentum aufgeben mussten und in gemauerte Häuser zogen. Ihre Lage war 2017 schon nicht gut. „Seitdem wird sie aber immer schlechter“, erzählte Yousef, der in Palästina geboren wurde und 1977 zum Studium nach Deutschland kam. Er ist hier heimisch geworden, unterhält aber immer noch gute Kontakte in seine alte Heimat.

 

 
 
Der Fotograf

Ribhi Yousef (l.) und Heiner Schmitz in der cubus kunsthalle . Foto:
Petra Grünendahl.
____________________________________
Heiner Schmitz wurde 1940 in Oberhausen geboren. Von 1962 bis 1967 absolvierte er ein Studium an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen. In der Folge war er Artdirector in verschiedenen Werbeagenturen, bevor er sich auf Fotografie und Fotodesign spezialisierte. Ab 1991 war er Professor für Fotografie an die Fachhochschule Dortmund (bis 2005) und Sachverständiger der IHK Düsseldorf für den Bereich Fotodesign. Ab der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre unternahm er verschiedene Studienreisen in palästinensische Gebiete. An Universitäten in China übernahm verschiedenste Gastprofessuren und veranstaltete dort Workshops mit Dortmunder Studenten. Er lebt in Mülheim.

 

cubus kunsthalle zeigt Heiner Schmitz: Besetzte Leben. Foto: Petra Grünendahl.
____________________________________
Seit 1997 beschäftigt sich Heiner Schmitz fotografisch mit der Situation Israel/Palästina. Auf zwei längeren Reisen hat er sich 2017 mit den Lebensbedingungen der palästinensischen Beduinen im Jordantal befasst, die 1948 nach der Staatsgründung Israels aus der Negev-Wüste in die Westbank geflohen sind und heute in der sogenannten Zone C leben, die komplett unter israelischer Militärkontrolle steht.

 
Die Gespräche, die ein arabischer Freund mit den Familien geführt und aufgezeichnet hat, beschreiben sehr eindrucksvoll, welchen ständigen Repressalien in einer inzwischen 57- jährigen Besatzung durch den israelischen Staat diese palästinensischen Menschen ausgesetzt sind. Ein Leben unter ständigen Schikanen und Kontrollen des Militärs und der Zerstörungswut militanter israelischer Siedler. Die Vorstellung eines scheinbar romantischen Beduinenlebens wird durch die Texte, die fester Bestandteil der Arbeit sind, konterkariert. Heiner Schmitz besuchte seit 1997 regelmäßig Israel und die palästinensischen Gebiete und konnte sich so gute Kontakte aufbauen und Gesprächspartner finden.
www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de/fotograf/heiner-schmitz
www.studioschmitz.com/

Impressionen aus der cubus kunsthalle. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Anzeige

 
cubus kunsthalle

cubus kunsthalle im Kant-Park. Foto: Petra Grünendahl.
Die cubus kunsthalle liegt im Kant-Park in der Duisburger Innenstadt in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, wo sie mit Ausstellungen zeitgenössischer Künstler und Konzerten, aber auch mit partizipativen Angeboten das Umfeld und die Duisburger Kunstlandschaft belebt. Gegründet hat die cubus kunsthalle die Duisburger Kunstwissenschaftlerin Dr. Claudia Schäfer 1987/88 als cubus galerie in Duissern, bevor sie 1994/95 mit Hilfe eines gemeinnützigen Fördervereins in das Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums der Stadt Duisburg in den Kant-Park zog. Die cubus kunsthalle finanziert sich durch Spenden zur Förderung von Kunst & Kultur, über Sponsorenleistungen und durch die Untervermietung des Café Museums. Neben Duisburger Künstlern zeigt die Kunsthalle internationale Künstler und stellt einmal jährlich eine Sammlung vor – und dies weitestgehend bei freiem Eintritt. Geöffnet hat die privat geführte Kunst- und Ausstellungshalle mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr.
www.cubus-kunsthalle.de

 
© 2026 Petra Grünendahl / Rundschau Duisburg (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Entdecke mehr von Rundschau Duisburg

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Sie muessen eingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben Einloggen